Informationen zur Winkelfehlsichtigkeit von der Initiative für Vollkorrektion binokularer Störungen

Winkelfehlsichtigkeit ist ein Sehfehler in der Zusammenarbeit beider Augen. Winkelfehlsichtige Augen wollen eigentlich in einem Schielwinkel zueinander stehen, weil die Bewegungsmuskeln des rechten und linken Auges kleine Längenunterschiede aufweisen. Nur durch ständige energieverbrauchende Kompensation gelingt es Winkelfehlsichtigen, ein sichtbares Schielen zu verhindern.

Winkelfehlsichtigkeit ist also keine Schwäche oder gar Krankheit, sondern nur eine Fehlsichtigkeit, die bei etwa 90% aller Menschen nachweisbar ist. Eine optische Korrektion mit sogenannten Prismenbrillen ist bei mindestens 25% der Winkelfehlsichtigen notwendig, weil die über typische Beschwerden oder Sehstörungen klagen.

Damit bei den Winkelfehlsichtigen beidäugiges Sehen funktionieren kann, müssen sich also beide Augen genau auf den jeweils angeblickten Gegenstand ausrichten, ansonsten würden sie doppelt sehen. Diese ständige Kompensation erfordert von den Betroffenen auch ständige Anstrengung. Dadurch werden typische Beschwerden und Sehstörungen ausgelöst:

  • geht ungern in die Schule
  • hat Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Bauchschmerzen
  • Schweißausbrüche
  • Bettnässen
  • stottern
  • ist aggressiv
  • weint viel
  • ist Geräuschempfindlich
  • malt nicht gerne aus
  • malt beim Ausmalen über die Striche
  • kann nicht präzise mit der Schere ausschneiden
  • hat Schwierigkeiten beim genauen Falten von Papier
  • lernt sehr spät, die Schuhe zu binden (und bekommt daraufhin vielleicht sogar Schuhe mit Klettverschluß)
  • eckt beim Rennen an (rempelt an)
  • kann einen Ball nur schlecht fangen
  • kann nicht gezielt werfen
  • kann nicht auf der Linie schreiben
  • kann vorgezeichnete Buchstaben nicht exakt nachfahren
  • ist unsicher und radiert oft
  • läßt  Buchstaben beim Schreiben oder Lesen weg
  • drückt mit dem Füller zu stark auf und kratzt
  • vertauscht Buchstaben in der Reihenfolge
  • macht Zahlendreher z. B. statt 27 schreibt das Kind 72
  • lernt sehr spät, die Uhr zu lesen
  • verwechselt Endungen
  • liest ganz andere Worte, als auf der Vorlage gegeben sind
  • träumt oft (kann dem Unterricht nicht mehr folgen und schaut zum Fenster hinaus)
  • ist ein Zappelphilipp
  • bekommt oftmals etwas nicht mit (vergisst z.B. Hausaufgaben)
  • oder kann sich an bestimmte Dinge garnicht erinnern
  • braucht sehr lange, bis es eine Aufgabe beginnt oder zu Ende führt
  • kann sich allgemein nicht oder nicht lange konzentrieren

bei Erwachsenen

  • Probleme beim nächtlichen Autofahren (Blendung und Unsicherheiten in der Orientierung)
  • Lichtempfindlichkeit
  • Kopfschmerzen bis hin zur Migräne
  • Augenbrennen
  • Augenschmerzen
  • Sehprobleme am Bildschirm
  • schnelle Ermüdung beim Lesen mit bisheriger Brille

Dies ist nur eine kleine Auswahl der Beschwerdebilder*.

Die hier genannten Beschwerden können mit einer Prismenbrille verringert oder auch ganz beseitigt werden. Die Brillenglasstärken der Prismen werden an Polatest-Sehprüfgeräten nach der Mess- u. Korrektionsmethodik nach H.-J. Haase (MKH) ausgemessen. Dieses Verfahren bedarf eines sehr großen Messaufwandes und wird nur von wenigen Augenoptikern und sehr, sehr wenigen Augenärzten angewandt.

Die übrigen Augenärzte stehen diesem Verfahren heute noch überwiegend ablehnend gegenüber, obwohl es sich hierbei um eine in der Augenoptik seit Jahrzehnten wissenschaftlich anerkannte Methodik handelt. Sie wird an den medizinischen Hochschulen nicht gelehrt und gehört somit auch nicht zum Arbeitsgebiet der Augenheilkunde. Die Erfolgsquote dieser MKH liegt zum Beispiel bei der Behebung von Kopfschmerzen durch Prismenbrillen bei etwa 80%.

Besteht eine Winkelfehlsichtigkeit, die Anstrengungsprobleme oder Sehstörungen auslöst, wird sie mit Prismenbrillen korrigiert. Die überwiegende Anzahl dieser Korrektionen liegt in einem Bereich von 1 bis 6 Prismen (Kurzzeichen pdpt). Werden Winkelfehlsichtigkeiten von mehr als 20 pdpt gemessen, wird eine Korrektion mit einer Brille wegen zu dicker Gläser schwierig bis unmöglich. In diesen Fällen ist ein operativer Eingriff möglich und sinnvoll. Dieser operative Eingriff kommt in ca. 2-3% aller erfolgreich korrigierten Fälle vor.

Anders als bei privaten Krankenkassen, sind die Kosten bei gesetzlichen Krankenkassen für die Messungen, für die Brillen und für die eventuell sinnvolle Operation von den Betroffenen selbst zu tragen. Einzelfallentscheidungen der verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen können anders ausfallen. Die Kosten für ein Paar Gläser liegen zur Zeit je nach Stärken und Ausführungen bei 150 bis 500 €, die Operationskosten im ambulanten Verfahren bei 750 - 1100 €. 


* Ausführliche Beschreibungen der Beschwerden und Sehstörungen bei Kindern sind u.a. zu finden in dem Buch "Winkelfehlsichtigkeit" von Uwe Wulff. Siehe dazu http://www.winkelfehlsichtigkeit.de/

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